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4% Regel: Irreführung des Verbrauchers

Dr Charlotte Kolodzey

4% Regel: Irreführung des Verbrauchers

Reihe an Reihe, Regale voller Tüten und Dosen… Es existiert eine schier endlose Auswahl an Trockenfutter und Dosenfutter für unsere vierbeinigen Lieblinge. Und du stehst davor. Denn du suchst ein neues Futter für deinen Hund.

Die letzten Wochen waren nicht leicht für deine Fellnase. Er hatte schlimme Verdauungsprobleme, bis dein Tierarzt ein Allergiefutter empfohlen hat. Dieses Futter hat dein Hund gut vertragen. Toll! Der Durchfall ist seit dem Geschichte. Auf Dauer ist dir das Allergiefutter vom Tierarzt aber zu teuer. Jetzt suchst du eine Alternative. Das Futter vom Tierarzt bestand aus Lamm und Süßkartoffel. »Prima« denkst du, »dann brauche ich jetzt nur ein Futter mit Lamm und Süßkartoffel finden«.

Du greifst nach einem Trockenfutter. Die Verpackung sieht hochwertig aus. Du liest Bio und Natürlich und siehst ein Bild von einem glücklichen Hund, der durch einen Gebirgsbach plantscht. Unter dem Namen des Futters steht in großer Schrift MIT LAMM. Du freust dich! So einfach hast du ein passendes Futter gefunden!?
Du drehst die Packung um…
Du suchst die Zutatenliste des Futters…
Du findest die Zutatenliste auf Tschechisch… auf Polnisch…
Du wendest die Packung hin und her…
…Und findest die Zutatenliste schließlich auf Deutsch in die Falz gedruckt.

Auch ist die Schriftgröße sehr klein, aber du bleibst locker. Deine Lesebrille hast du schließlich dabei.

Du liest: „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (davon Lamm 4%), …“
Ein bisschen veräppelt fühlst du dich jetzt schon. Nur 4% Lamm! Was sind die restlichen 96%? Und wenn dein Hund wieder allergisch reagiert? Verärgert stellst du die Packung zurück ins Regal und suchst weiter.

Ist dies Irreführung des Verbrauchers? Möglicherweise.
Aber der Futtermittelunternehmer darf tatsächlich so vorgehen.

Wenn eine Zutat durch Worte oder Bilder betont und hervorgehoben wird, dann muss der Futtermittelunternehmer einzig dafür sorgen, dass diese Zutat genau benannt ist und mit einer prozentualen Gewichtsangabe versehen ist. So sieht es das EU Gesetz vor. Eine Mindestmenge dieser Zutat schreibt der Gesetzgeber nicht vor. Theoretisch könnte in dem Futter aus dem Beispiel auch nur 0,5% Lamm enthalten sein. Solange dies in der Deklaration auftaucht, ist laut Gesetzgeber alles in Ordnung. Diese Vorstellung fanden einige Entscheider wohl zu extrem. Die Futtermittelhersteller der EU haben sich daher auf eine Mindestmenge geeinigt. Steht auf der Verpackung MIT LAMM, sollen mindestens 4% Lamm enthalten sein.

4% sind allemal besser als 0,5%. Aber reicht das? Als Verbraucher erwarte ich doch bei einem Hundefutter, wo MIT LAMM drauf steht, dass der Hauptbestandteil genau diese Zutat ist…Oder?

Mein Tipp an alle Hundehalter: Bleibt kritisch! Lest euch genau durch, was im Futter enthalten ist. Wenn die Deklaration unklar ist oder ihr Fragen habt, dann ruft beim Hersteller an oder schreibt eine E-Mail. Gibt der Hersteller keine Informationen über die Zusammensetzung des Futters heraus, dann ist das Vertrauen futsch. Vergesst nie: Der Kunde ist König. Ihr sitzt am längeren Hebel. Denn ihr gebt nur dem Hersteller euer Geld, der euer Vertrauen verdient hat. Ihre Charlotte Kolodzey