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Easy-BARF: Die Basics auf einen Blick

Tierheilpraktikerin Sabine Nawotka

Easy-BARF: Die Basics auf einen Blick

Seit einiger Zeit schon ist Barf in aller Munde. Damit nicht nur die Begeisterung fürs Barfen weiter ansteigt, sondern Barf-Willige auch zu echtern Barfern werden, starten wir heute mir unserer neuen, mehrteiligen Serie, in der wir Step-by-Step alles Wichtige zu diesem Thema erklären. Vor allem wollen wir Ihnen zeigen, wie einfach und unkompliziert Barfen sein kann.

Obwohl über das Barfen – heutig überwiegend bezeichnet als »Biologisches Artgerechtes Rohes Futter« – viel geredet und geschrieben wird, gibt es nach wie vor viele Unsicherheiten, die so manchen Hundebesitzer davon abhalten, seinen Vierbeiner artgerecht und möglichst natürlich zu füttern. So viel schon einmal vorweg: Die »Probleme« fangen beim Hund bereits bei der Wortfindung für seine Ernährungsgewohnheiten an. Die Meinungen gehen dabei auseinander: Sie reichen vom Omnivore (Allesfresser) bis hin zum Carnivore (Fleischfresser). Ich selbst finde die Bezeichnung »Semi-Carnivore« passend, da bereits der Vorfahre des Hundes – nämlich der Wolf – nicht nur Fleisch, sondern vor allem Beute fraß.

Beute bedeutet dabei: Würmer, Mäuse, Insekten, Fische, kleine Nager, Rehe, Rotwild, Lämmer, Kälber, sogar Bisons und Moschusochsen. Diese Beute wird noch heute fast vollständig bis auf schwerverdauliche Reste (z. B. Sehnen, Haare) gefressen. Anders als einseitig zusammengesetztes Fleisch – ihm fehlt es an Mineralien, Vitaminen sowie strukturierten, schwerverdaulichen Komponenten – bieten Beutetiere jedoch alle lebenswichtigen Nährstoffe. Das bedeutet: beispielsweise Calcium aus dem Skelett, Natrium aus dem Blut, fettlösliche Vitamine und Spurenelemente aus Organen, wasserlösliche Vitamine aus Darm und Darminhalt, essentielle, also für den Organismus notwendige, aber nicht von ihm selbst herstellbare Fettsäuren aus Körperfetten sowie unverdauliche Komponenten (z. B. pflanzliches Material aus dem Darminhalt).

Je nach Versorgungslage und Angebot nimmt der Wolf aber auch pflanzliches Material auf: Früchte, Gräser, Wurzeln, Blätter, evtl. Exkremente anderer Tiere und sonstige Abfälle. Und auch der Hund kann sich in gewissen Grenzen an verschiedene Futterarten anpassen. Da er allerdings heute – anders als sein Vorfahre der Wolf – in der Regel keine selbst erschließbaren Nahrungsquellen hat, wächst die Verantwortung des Menschen gegenüber seiner Fellnase. Keinesfalls darf ein Hundebesitzer seine Vorstellungen über die ihm angenehme Nahrung auf den Hund übertragen. Stattdessen sollte eine artgerechte Fütterung vielfältig sein, alle Bedürfnisse des Hundes berücksichtigen und für ihn Schädliches (z. B. Schokolade, Macadamianüsse, Weintrauben) vermeiden.

Ein Hoch auf das Barfen

Biologisch Artgerechtes Rohes Futter bietet – im Gegensatz zu anderen Futtermittelarten – überwiegend Vorteile.

Vorteile
☞ Das Barfen unterstützt die Eigenverantwortung und Selbstbestimmtheit.
☞ Die Futterzusammensetzung kann individuell an die Bedürfnisse (z. B. Welpe, Senior, trächtige Hündin, Hund im Fellwechsel) und Besonderheiten des Tieres (z. B. Unverträglichkeiten, Empfindlichkeiten, rassebedingte Erfordernisse) angepasst werden.
☞ Wird eine Tagesration komplett selbst zusammengestellt, dann sind alle Futterkomponenten inkl. ihrer Qualität und Menge bekannt.
☞ Der tägliche Wasserbedarfs (zwischen 35 und 60 ml/kg Körpergewicht) wird teilweise bereits über das Futter gedeckt. Dies ist vor allem bei Hunden interessant, die sonst zu wenig trinken.
☞ Beim Barfen verändert sich das Futtervolumen nicht. Dies ist von Bedeutung, wenn Hunde beispielsweise zur Magendrehung, aber auch zu -entzündungen und/oder -geschwüren neigen.
☞ Die Größe der Futterbrocken kann auf die Körpergröße des Hundes angepasst werden.
(Fleischige) Knochen tragen in der Futterration zur Gebisspflege bei.

Nachteile
☞ Barfen erfordert Eigeninitiative (Beschaffung der Futterkomponenten, Zubereitung).
☞ Es ist nicht immer einfach, vor Ort oder im WWW eine preislich attraktive Bezugsquelle für qualitativ hochwertiges und einwandfreies „Fleisch“ zu finden.
☞ Ist die „Fleisch- oder Fischgrundlage“ gefroren, dann ist ein Gefrierfach oder -schrank erforderlich.
☞ »Fleisch« kann Parasiten und Infektionserreger (z. B. Salmonellen) enthalten.
☞ Für Vegetarier und Veganer ist der Umgang mit „Fleisch“ nicht immer angenehm.

Näpflein füll dich

Näpflein füll dich

Doch wie viel – gesprochen in Gramm oder Kilogramm – muss ein Hund eigentlich täglich an Rohfutter fressen, damit er gesund ernährt werden kann. Da wir das Barfen in dieser Serie ganz einfach gestalten wollen, lautet die Empfehlung: 2 bis 4 % des Körpergewichts. In der Regel bekommt ein normal aktiver Hund mit 2 bis 3 % aus, dies kann aber z. B. je nach Alter, Temperament, Aktivität und Gesundheitszustand variieren.

Diese rechnerisch ermittelte Tagesfuttermenge spaltet sich dann noch einmal in tierische Erzeugnisse (Fleisch, fleischige Knochen, Fisch) sowie Gemüse, Obst und Kräuter auf. Der Anteil der tierischen Erzeugnisse bewegt sich zwischen 75 bis 90 % (auch dies richtet sich z. B. nach dem Alter und Gesundheitszustand des Vierbeiners). Maximal 5 % davon können auch Milchprodukte (idealerweise Quark, Kefir oder Joghurt) sein. Ein- bis zweimal pro Woche gebe ich auch gern ein Ei mit dazu. Im Rohzustand nur das Eigelb, gekocht kann das ganze Ei gegeben werden. Die noch zu 100 % fehlenden Prozente (zwischen 10 bis 25 %) werden vor allem durch Gemüse, nachrangig aber auch durch Obst und Kräuter abgedeckt.

Zudem gehört Öl zur Fütterung mit dazu (kleine Rassen: ca. ½ bis 1 Teelöffel, mittelgroße Rassen: 1 bis 1 ½ Teelöffel, große bzw. Riesenrassen: ca. 1 bis 1 ½ EL). Besonders geeignet sind beispielsweise Lein- oder Lachs- bzw. Fischöl. Diese sind reich an Omega-3-Fettsäuren, welche u. a. entzündliches Geschehen positiv beeinflussen können. Aber auch der Muskelaufbau kann mit Öl begünstigt werden – in diesem Fall mit Reiskeim-Öl, das durch das enthaltene Gamma-Oryzanol den Prozess unterstützt.

Damit eine Ration vollwertig ist, sollte darüber hinaus  – sofern kein Blut gefüttert wird – mehrmals pro Woche eine kleine Prise Salz über das Futter gegeben werden. Gibt es auch bei Knochen eine Fehlanzeige, dann muss eine Calcium- bzw. Mineralstoffquelle ergänzt werden (z. B. Fleischknochenmehl, Eierschalenpulver (Vorsicht! Es kann durch Eierschalenpulver zu einem Aufschäumen der Magensäure kommen) oder ein Mineralergänzungsfuttermittel). Fertig! Das Grundgerüst für die Rohfütterung steht. Und noch etwas: Das ein oder andere Gramm ist nicht entscheidend. Runden Sie deshalb die errechneten Mengen auf oder ab und wiegen Sie die Futterkomponenten nicht mit der Briefwaage ab.

Kreativ, vielfältig und keine Extreme

Kreativ, vielfältig und keine Extreme

Die hier vorgestellte Beispielrechung bezieht sich auf eine Futterration, in der alle Futterkomponenten zusammen gegeben werden. Dies finde ich persönlich am einfachsten und besonders leicht zu merken. Aber auch ein anderer Weg ist denkbar: Sie können nämlich auch, die zu einer Tagesration gehörenden tierischen Erzeugnisse sowie Gemüse, Obst und Kräuter unterschiedlich kombinieren. Seien Sie kreativ. Zum Beispiel: morgens ein Gemüse-Obst-Kräuter-Mix inkl. eines tierischen Erzeugnisses (z. B. Herz) und abends die restlichen tierischen Produkte. Zudem sollten entweder in der morgendlichen oder aber in der abendlichen Ration (denkbar sind auch mehr als zwei Rationen) Öl, ggf. Salz sowie – falls erforderlich – die Calcium- bzw. Mineralstoffquelle enthalten sein.

Besonders förderlich für den Verdauungstrakt, weil entlastend, ist ein reiner Gemüse- oder auch Fastentag. Einen solchen müssen Sie aber nicht unbedingt einlegen. Ist dies trotzdem Ihr Plan, dann bietet es sich an, direkt eine Wochenration zu berechnen und diese inkl. der darin enthaltenen Futterkomponenten (u. a. tierische Erzeugnisse, Gemüse, Obst, Kräuter) auf die einzelnen Wochentage zu verteilen.

Und auch, wenn Sie feststellen, dass Sie Ihre Fellnase  – aus welchen Gründen auch immer – nicht täglich barfen wollen oder können – dann denken Sie immer daran: Ein Barf-Tag ist immer noch besser als kein Barf-Tag. Von daher stehen Ihnen bei der Fütterung viele Möglichkeiten zur Verfügung.

Die Basics auf einen Blick

☞ Die Gesamtfuttermenge pro Tag beträgt 2 bis 4 % des Körpergewichts.

☞ Zwischen 75 bis 90 % der Gesamtfuttermenge bestehen aus tierischen Erzeugnissen (z. B. Fleisch, fleischige Knochen, Fisch).

☞ Maximal 5 % der tierischen Erzeugnisse können aus Milchprodukten (Quark, Kefir oder Joghurt) bestehen.

☞ Füttern Sie ein- bis zweimal pro Woche ein Ei (roh: nur Eigelb, gekocht: Eigelb und -weiß).

☞ Die zu den 100 % fehlenden Prozente (10 bis 25 %) werden vor allem durch Gemüse, aber auch Obst und Kräuter abgedeckt.

☞ Öl gehört zu jeder Tagsration dazu.

☞ Wird kein Blut gefüttert, dann sollte die Ration mehrmals pro Woche um eine kleine Prise Salz ergänzt werden.

☞ Sind in der Ration keine Knochen enthalten, dann sind Fleischknochenmehl, Eierschalenpulver oder ein Mineralergänzungsfuttermittel Pflicht.

☞ Es gibt unterschiedliche (Kombinations-)Möglichkeiten für eine Tages- bzw. Wochenration.

☞ Legen Sie bei Ihrem Vierbeiner idealerweise einmal pro Woche einen reinen Gemüse- oder Fastentag ein.

☞ Nicht jeder Tag muss ein Barf-Tag sein. Aber ein Barf-Tag ist immer noch besser als kein Barf-Tag.

Herzliche Grüße Sabine Nawotka