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Easy-BARF: Von Grund auf artgerecht gefüttert II

Tierheilpraktikerin Sabine Nawotka

Easy-BARF: Von Grund auf artgerecht gefüttert II

Tierische Erzeugnisse machen mit 75 bis 90 % den größten Anteil einer Barf-Ration aus. Zu den tierischen Erzeugnissen zählen z. B. Fleisch inkl. Innereien, (fleischige) Knochen, Knorpel, Fisch, Milchprodukte sowie Eier. Da Vielfalt die Maxime der Rohfütterung ist, sollten Fleisch und Innereien nicht nur von einer, sondern immer wieder von unterschiedlichen Tierarten stammen.

Nachdem Sie bereits im ersten Beitrag viel über das Barfen im Allgemeinen sowie über die dafür in Frage kommenden Futterkomponenten inkl. ihrer Anteile in einer Ration erfahren haben, geht es heute mit den tierischen Erzeugnissen weiter.

Fleisch und Innereien

Fleisch und Innereien

Wird beim Barfen von Fleisch gesprochen, dann ist damit nicht nur mageres, sondern auch fettes Fleisch gemeint. Zum Fleisch zählen Muskelgewebe, Innereien, aber auch Fett- und Bindegewebe sowie Sehnen.

In der Hundefütterung wird vielfach Fleisch von Rind, Schaf, Ziege, Geflügel (z. B. Huhn, Pute, Ente), aber auch Kaninchen, Wild und gelegentlich auch Schwein verwendet (Letzteres, wenn überhaupt, dann bitte niemals roh, sondern z. B. gut gekocht füttern). „Exotischere“ Fleischsorten wie beispielsweise Pferd, Strauß oder Känguru, kommen vor allem bei Hunden in den Napf, die zu Unverträglichkeiten bzw. Allergien neigen. Auch in Sachen Fleisch sollte im Hundenapf Abwechslung herrschen. Das bedeutet: verschiedene Fleischsorten füttern, allerdings am besten nicht zeitgleich und im täglichen Wechsel, sondern nach und nach. Dies ist besonders wichtig, falls es beim Vierbeiner beispielsweise zu Verdauungsproblemen kommt. Dann kann geschaut werden, ob z. B. die aktuelle Fleischsorte der Übeltäter ist.

Fleisch liefert Energie, aber auch Proteine, die der Körper für vielfältige Aufgaben benötigt. Einen erhöhten Proteinbedarf hat ein Hund z. B. in der Wachstumsphase, aber auch während der Trächtigkeit und Laktation. Nicht zu unterschätzen ist auch der Haarwechsel im Frühjahr und Herbst. Dann brauchen vor allem (kleinere) langhaarige Hunderassen mehr Protein bzw. wichtige Aminosäuren (sie sind Bausteine der Proteine) wie z. B. Methionin und das daraus vom Hund selbst hergestellte Cystein. Methionin ist in verschiedenen tierischen, aber auch pflanzlichen Lebensmitteln enthalten.

Innereien (z. B. Leber, Nieren, Herz und Lunge) sind überwiegend hochverdaulich und stellen eine wichtige Quelle u. a. für Eisen, Vitamin B2, Vitamin B6 sowie für Folsäure dar. Hunde fressen Innereien gern. Allerdings sollte der Anteil der hier genannten Innereien in der Gesamtfleischration 15 % nicht übersteigen, denn vor allem größere Mengen von Nieren und Leber können Durchfälle begünstigen. Zudem können 15 bis 20 % der tierischen Erzeugnisse durch Innereien wie Pansen und Blättermagen abgedeckt werden. Pansen sollte idealerweise z. B. von Schaf oder Ziege stammen, da diese im Gegensatz zu Rindern aus konventioneller Haltung überwiegend natürlicher gehalten und gefüttert werden. Sogenannter grüner Pansen ist vor allem dann interessant, wenn die physiologische Darmflora der Fellnase nicht in Ordnung ist, da er u. a. „gute“, also erwünschte Bakterien für den Darm liefert.

Fleisch und Innereien sollten nicht in zu großen, auf einmal verschluckbaren Stücken an den Vierbeiner verfüttert werden, da dies Erbrechen begünstigen kann. Eine Form der Zerkleinerung ist das Wolfen. Je nach Größe des Hundes können Fleisch und Innereien gröber oder feiner gewolft werden. Letztes ist bei kleineren bis sehr kleinen Hunderassen besonders wichtig. Und auch wenn wir hier über die Rohfütterung sprechen, kann es bei einem Hund z. B. mit Verdauungsproblemen sinnvoll sein, das „Fleisch“ vorab zu kochen oder zu dünsten. Es wird von magen-darm-empfindlichen Hunden besser vertragen und reduziert außerdem die Infektionsgefahr (Parasiten und Infektionserreger).

Stellt sich noch die Frage, woher Fleisch und Innereien fürs Barfen bezogen werden können. Inzwischen sind durchaus auch Metzgereien (vor Ort) auf den Barf-Zug mit aufgesprungen. Vielfach findet sich die Quelle für Fleisch und Innereien jedoch nicht vor der Haustür, sondern im WWW. Dort gibt es verschiedene Anbieter, die u. a. bereits fertig zusammengestellte „Fleischpakete“ frisch oder tiefgefroren liefern. Für welchen Anbieter Sie sich entscheiden, liegt letztendlich an Ihnen. Ganz wichtig ist allerdings dabei: Die Qualität des „Fleisches“ muss einwandfrei sein und die Kühlkette darf auch beim Versand nicht unterbrochen werden. Frisches „Fleisch“ lässt sich im Kühlschrank bei 0 bis 5 Grad Celsius einige Tage aufgewahren. Gefrorenes „Fleisch“ sollte bei minus 15 Grad Celsius gelagert und langsam im Kühlschrank – aus hygienischen Gründen ohne Plastikfolie – aufgetaut werden. Alternativ dazu gibt es auch reine Fleischdosen ohne jegliche Zusätze (z. B. von PerNaturam, Steakhouse oder Marengo), die fürs Barfen genutzt werden können.

(Fleischige) Knochen und Knorpel

(Fleischige) Knochen und Knorpel

Knochen sind grundsätzlich hervorragende Lieferanten u. a. für Calcium. Besonders geeignet sind Rippen oder Brustbein. Zur Mineralstoffergänzung können Knochen mit und ohne anhaftendes Fleisch verfüttert werden. In der Gesamtfleischration sollten sie bestimmte prozentuale Anteile nicht übersteigen: nicht mehr als 5 % bei Knochen ohne Fleisch, bei fleischigen Knochen nicht mehr als 10 %. Denn landen übermäßig viele Knochen im Verdauungstrakt der Fellnase, dann kann dies zu Verstopfung führen.

Idealerweise sollten die Knochen von jungen Tieren (z. B. Kalb oder Geflügel) stammen, da sie dann weniger hart sind. Knochen von Wildtieren oder älterem Geflügel sollten wegen der bestehenden Splittergefahr nicht in den Hundenapf kommen. Außerdem sollten kleine Geflügelknochen bei schlingenden Hunden vermieden werden. Füttern Sie in einem solchen Fall lieber Flügel, Rücken oder Hälse. Apropos Geflügelhälse: Bei ihrer Verfütterung sollten Sie unbedingt darauf achten, dass keine Schilddrüsen vorhanden sind, da diese ansonsten zu einem hormonellen Ungleichgewicht beim Vierbeiner führen können. Und wo wir gerade beim Geflügel sind: Füttern Sie bitte nur gelegentlich Geflügel aus konventioneller Haltung, da besonders hier z. B. Antibiotika während der Aufzucht zum Einsatz kommen.

Zudem werden auch bindegewebsreiche Knorpel vom Hund gern gefressen. Auch sie besitzen eine hohe Verdaulichkeit. Außerdem sind Knochen und Knorpel hilfreich bei der Gebisspflege und dienen der Beschäftigung. Sollten Sie beim Barfen auf fertige „Fleisch“-Mischungen (frisch, gefroren, in Dosen) zurückgreifen, dann forschen Sie bitte nach, ob darin auch Knochen und Knorpel enthalten sind. Ist dies nicht der Fall, dann können Sie entweder beim Metzger das Richtige finden (bitte beachten Sie, dass Knochen und/oder Knorpel aufgrund ihrer Größe nicht als Ganzes verschlungen werden dürfen) oder aber Fleischknochenmehl (z. B. von PerNaturam) ergänzen.

Fisch

Fisch

Auch Fisch kann als Grundlage für die Rohfütterung dienen. Fisch ist u. a. reich an Eisen, enthält Jod, verschiedene B-Vitamine und Vitamin D. Zudem ist er ein guter Lieferant für Omega-3-Fettsäuren. Er wird gern von Fellnasen gefressen. Ganze Fische bieten eine ausgewogene Nährstoffzufuhr. Kleine Gräten stellen für einen Hund in der Regel kein besonderes Gesundheitsrisiko dar, gefährlich wird es jedoch bei größeren Gräten. Sind diese vorhanden, dann sollten sie auf jeden Fall vor dem Verfüttern vollständig entfernt werden. Auch Fischköpfe sollten Sie, wenn die Tiere geangelt wurden, auf mögliche Angelhaken überprüfen. Grundsätzlich kann auch Fisch sowohl roh als auch gekocht oder gedünstet verfüttert werden. Wie schon beim „Fleisch“ können hierdurch Infektionen mit Bakterien oder Parasitenzwischenformen reduziert werden. Allerdings bedenken Sie bitte auch, dass Fisch u. U. wegen möglicher Schwermetallbelastungen nicht ganz unproblematisch und daher nur gelegentlich Teil einer Barf-Ration sein sollte.

Milchprodukte

Eine gute ergänzende Fett- und Proteinquelle können in geringeren Mengen auch Milchprodukte sein. Allerdings wird die Milch selbst – wegen ihrer hohen Milchzuckergehalte – oftmals nicht gut vom erwachsenen Hund vertragen. Denn je älter ein Hund wird, desto mehr nimmt auch seine Fähigkeit ab, Milch und Milchprodukte zu verdauen, da die Aktivität des Milchzucker spaltenden Enzyms Laktase in der Darmschleimhaut sinkt. Quark hingegen hat geringere Milchzuckergehalte und besitzt daher in der Regel eine gute Verträglichkeit. Besonders hilfreich kann er bei Hunden mit Hautproblemen sein und bei mageren Tieren zu einer erwünschten Gewichtzunahme beitragen. Interessant sind auch Sauermilchprodukte wie z. B. Dickmilch, Kefir und Joghurt. Sie enthalten Kulturen, die die Darmflora des Hundes – besonders nach Antibiotikagaben – u. U. positiv beeinflussen können.

Eier

Auch Eier können eine Barf-Ration ergänzen und in geringeren Mengen verfüttert werden. Sie enthalten u. a. die Vitamine A, E, K sowie Biotin und Folsäure. Hunde fressen sie sehr gern, außerdem sind sie gekocht gut verdaulich. Im ungekochten Zustand sollte zur Sicherheit lediglich das Eigelb an eine Fellnase verfüttert werden, da das Eiklar einen Enzymhemmstoff enthält.

Easy-BARF auf einen Blick: tierische Erzeugnisse

✔ Zum Fleisch zählen Muskelgewebe, Innereien, aber auch Fett- und Bindegewebe sowie Sehnen.
Es kann z. B. Fleisch von Rind, Schaf, Ziege, Geflügel, aber auch Kaninchen, Wild, Schwein, Pferd, Strauß und Känguru verwendet werden.
✔ Schweinefleisch darf nicht roh, sondern muss unbedingt gar gekocht oder gedünstet werden.
✔ In der Gesamtfleischration sollte der Anteil der Innereien nicht mehr als 15 % betragen.
Pansen und Blättermagen können 15 bis 20 % der tierischen Erzeugnisse ausmachen.
Fleisch und Innereien sollten nicht in zu großen, auf einmal verschluckbaren Stücken verfüttert werden. Alternativ können Fleisch und Innereien je nach Größe des Hundes gröber oder feiner gewolft werden.
✔ Frische(s) oder gefrorene(s) Fleisch und Innereien müssen qualitativ einwandfrei sein. Die Kühlkette darf nicht unterbrochen werden.
✔ Gefrorenes „Fleisch“ sollte im Kühlschrank langsam und ohne Plastikfolie aufgetaut werden.
Knochen ohne Fleisch sollten nicht mehr als 5 % und fleischige Knochen nicht mehr als 10 % der tierischen Erzeugnisse ausmachen.
✔ Knochen von Wildtieren oder älterem Geflügel können splittern und sollten deshalb nicht verfüttert werden.
✔ Schlingende Hunde sollten keine kleinen Geflügelknochen bekommen.
✔ Knochen und Knorpel sollten generell so groß sein, dass sie nicht im Ganzen verschlugen werden können.
✔ Werden Geflügelhälse verfüttert, dann dürfen diese keine Schilddrüsen enthalten.
✔ Knochen und Knorpel sind hilfreich bei der Gebisspflege und dienen der Beschäftigung.
✔ Fisch ist u. a. ein guter Lieferant für Omega-3-Fettsäuren.
✔ Kleine Fischgräten stellen für einen Hund in der Regel keine Gefahr dar, gefährlich sind größere Fischgräten und mögliche Angelhaken.
✔ Milch wird vielfach vom erwachsenen Hund nicht gut vertragen. Besser sind in kleineren Mengen Quark, Dickmilch, Joghurt oder Kefir.
✔ Von Eiern können kleinere Mengen gefüttert werden: entweder ungekocht nur Eigelb oder gekocht das ganze Ei.

Herzliche Grüße
Sabine Nawotka