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Fell scheren im Sommer: Segen oder Fluch?

Hanna Stephan, TÄ bei Terra Canis

Fell scheren im Sommer: Segen oder Fluch?

(Werbung) Sommer, Sonne, Hitze - und damit für viele fellige Hunde die Frage: scheren oder wachsen lassen?
Klar, ein Bernhardiner mit seinem dicken Pelz bei 30 Grad zieht schon mitleidige Blicke auf sich, doch ist ihm mit einem kompletten Kahlschlag wirklich geholfen oder bringt die neue Radikalfrisur nicht eher viel mehr aus dem Gleichgewicht, als das sie wirklich eine lindernde Kühlung verschafft?

Eigentlich hat die Natur schon dafür gesorgt, dass Hunde trotz ihres Fells auch heiße, trockene Sommertage gut aushalten und der Pelz dichter wird, wenn die Nächte kürzer und kälter werden. In der kalten Jahreszeit schützt deswegen ein dickes Kuschelfell zuverlässig vor Eis und Schnee und im Sommer sorgt ein dünnes Sommerfell dafür, dass ausreichend Luft an die Haut kommt. Wird das Hundehaar zugunsten einer neuen Sommer-Trendfrisur ordentlich gestutzt, so wirft das erst einmal die natürliche Wärmeregulation der Natur durcheinander. Was tun wir unter diesem Aspekt unseren besten Freunden auf vier Pfoten wirklich mit einem Frisuren-Wechsel an?

Die Wärmeregulation des Hundes

Um den Sinn und Unsinn eines Fell-Stutzens zu verstehen, müssen vor allem die Hintergründe der natürlichen Wärmeregulation beim Hund klar sein. Hunde besitzen nur sehr weniger Schweißdrüsen, von denen sich die meisten unter den Pfoten befinden. Diese dienen jedoch nicht zur Kühlung, sondern als Duftmarke, um den zurückgelegten Weg für die anderen Gefährten zu markieren. Ein Hund schwitzt aus diesem Grund über das Hecheln und seine Zunge- und nicht über seine Haut! Er atmet durch die Nase ein, wobei ein Luftzug entsteht und Feuchtigkeit verdunstet. Diese Verdunstung hält die Körpertemperatur des Hundes konstant. Ausgestrecktes Liegen, das Aufsuchen von Schattenplätzen und vermehrtes Trinken unterstützt die natürliche Abkühlung weiter. Viele Hundehalter reagieren jedoch schnell geschockt auf das verstärkte Hecheln ihres Vierbeiners- was jedoch keinesfalls ein Anlass zur Sorge ist! Hier wurde einfach „die interne Klimaanlage“ angeschmissen und das ist nun mal nach außen hörbar. Dass die Vierbeiner im Herbst oder Winter nach einem anstrengenden Lauf auch vermehrt hecheln, wird nämlich allzu gern und schnell vergessen und deswegen scheint nur ein Weg richtig zu sein: das Fell muss ab!

Nackte Tatsachen?

Nackte Tatsachen?

Dass der Hund nicht über die Haut und seine Körperoberfläche schwitzt, ist eine Besonderheit seiner Thermoregulation und sollte bei der Frisuren-Wahl dringend beachtet werden! Hunde, die ein zweischichtiges Fell besitzen, wie z.B. Golden Retriever, Leonberger, Möpse, Labradore, Schäferhunde oder Huskies, sollten niemals komplett geschoren werden. Sie besitzen zwei Fellschichten: Unterwolle und Deckhaar. Dies wird auch als „double coated“ bezeichnet. Das Deckhaar hat hier die Aufgabe vor äußeren Einflüssen wie Sonne, Wind, Regen, Kälte, Schmutz etc. zu schützen, während die Unterwolle die zweite Isolierschicht darstellt.

Diese Isolierschicht sitzt direkt an der Haut und muss regelmäßig ausgebürstet werden, damit sie nicht zu dicht wird oder sogar beginnt zu verfilzen. Zu prägnante Unterwolle kann tatsächlich zu einem Wärmestau führen, unter dem der Hund leidet. Wird nun das Fell regelmäßig extrem kurz geschoren oder sogar ganz abrasiert, so verliert der Hund sein schützendes Deckhaar, während die Unterwolle meist „überlebt“. Dies hat zur Folge, dass die Unterwolle verstärkt sprießt und unter Umständen rasant verfilzt. Die gewünschte Erleichterung für den Hund wird mit einem Kahlschlag deswegen leider nicht erreicht - schlimmer noch: das Gegenteil tritt ein!

Der Hund hat durch die Aktivierung der Unterwolle jetzt nämlich noch weniger Kühlung, als vor dem Friseurbesuch! Parasiten, Wind, Wasser und Sonne haben jetzt ungebremsten Einlass direkt auf die Hundehaut- eine fatale Situation! Sonnenbrand, Mückenstiche und Zeckenbisse sind somit nur noch eine Frage der Zeit und penetrieren den armen Hund, der ungewollt sein Fell lassen musste.

Bürsten statt Scheren

Bürsten statt Scheren

Viel effektiver als die Schur ist das Ausbürsten der Unterwolle. Hierbei wird abgestorbener Pelz entfernt, die Isolierschicht ausgedünnt und die Hautdurchblutung gefördert. So wird das Fell im Zaum gehalten und alte Unterwolle oder Filz werden von der Haut entfernt. Nach der Bürstenkur kann ungehindert Luft an die Hundehaut und das schützende Deckhaar bleibt unbeschadet und kann weiter für Sonnen- und Parasitenschutz sorgen. Der positive Schmuseeffekt beim Bürsten und Kämmen darf hierbei natürlich nicht außer Acht gelassen werden!

Ausnahmen, die geschoren werden müssen

Nur bei manchen Tieren ist es im Sommer empfehlenswert, das Hundefell zu scheren bzw. zu kürzen. Hunde, die mit immer längerem Fell gezüchtet werden (z.B. Bobtails) haben etwas mehr mit den hohen Temperaturen zu kämpfen als die anderen Vierbeiner.  Leiden die Tiere dann noch unter Kreislaufproblemen oder sind schon sehr alt, kann das schwere Fell eine zusätzliche Belastung sein. Hier kann ein regelmäßiges Fellkürzen deswegen sinnvoll sein.



Ein weiteres Beispiel sind Senioren oder kranke Tieren, bei denen der natürliche Fellwechsel ausbleibt oder nicht mehr gut funktioniert. Beobachtet der Halter das Ausbleiben des Sommerfells muss sogar künstlich nachgeholfen werden. Statt eines sinnlosen Kahlschlages sollte jedoch auch hier mit Verstand gekürzt und getrimmt werden, um dem Hund ein wirklich dauerhafte Erleichterung zu ermöglichen. Professionelle Hunde-Friseure können haarige „Härtefelle“ hier perfekt beraten und die richtigen Geräte und Methoden für Zuhause mit auf den Weg geben.

Hilfe beim Fellwechsel

Zu Beginn der warmen oder auch kalten Jahreszeit verkürzt und unterstützt der Hundebesitzer zudem den lästigen Fellwechsel idealerweise durch die Fütterung von Biotin und Leinöl. Dies verhindert ein stumpfes und schuppiges Haarkleid im Fellwechsel. Biotin stärkt das Haar, lindert Hautbeschwerden und sorgt für kräftige Krallen. Leinöl sorgt für einen schönen Glanz und versorgt zudem Magen- und Darmtrakt mit einem wertvollen Schutz der Schleimhaut.

Ich wünsche Ihnen gemeinsam mit Ihren Vierbeiner eine schöne Woche und das keine „haarigen Zeiten“ auf sie warten. Schokoschnute wird jetzt mal wieder kräftig gebürstet!



Liebe Grüße Ihre Hanna Stephan, TÄ bei Terra Canis und Schokoschnute