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Halsband oder Geschirr? Eine Frage spaltet die Hundewelt.

Miriam Ennouri

Halsband oder Geschirr? Eine Frage spaltet die Hundewelt.

Wer kennt sie nicht? Die fasst schon dogmatisch-fanatischen Diskussionen auf der Hundewiese. Da werfen die Geschirr-Verfechter der Halsband-Fraktion fast schon vor mit tierquälerischer Motivation ihrem Hund den Hals abzuschnüren, während diese mit Design und Trainingsargumenten zurück schießen. Doch wer hat denn nun Recht? Gibt es bei dieser Fragestellung ein besser oder schlechter, ein Richtig oder Falsch?

Diese Frage lässt sich nicht für alle Situationen bzw. für alle Mensch-Hund-Teams pauschal beantworten.  Zuerst einmal ist zu sagen, dass ein an der Leine ziehende Hund nicht besonders erstrebenswert ist. Egal ob diese nicht unerheblichen Kräfte am Halsband oder am Geschirr wirken, sie sind in jedem Fall gesundheitsgefährdend und vor allem auch schmerzhaft für den Hund. Auch wenn der Schmerz des Hundes im Moment des Leinenziehens nicht unbedingt ersichtlich ist, weil dieser vielleicht Adrenalin-gesteuerter Weise das in diesem Moment gerade nicht spürt, so ist er im Nachhinein auf jeden Fall vorhanden. Hunde die ein Geschirr tragen, leiden in der Zugsituation unter einer geringeren lokalen Belastung, da die vorherrschenden Kräfte besser als bei einem Halsbandträger verteilt werden. Zieht ein Hund mit Halsband an der Leine, so werden die im Hals des Hundes befindlichen Strukturen stark belastet. Die Halswirbelsäule, die Muskulatur, Blutgefäße, Nerven, der Kehlkopf, die Schilddrüse, die Faszien und Haut sowie Luft- und Speiseröhre… alle diese Strukturen werden massiv überlastet. Dies kann mit vermeintlich »harmlosen Verletzungen« bis hin zu schweren Erkrankungen einhergehen. Hautverletzungen, Quetschungen der Luftröhre, schwere Verletzungen der Wirbelsäule und der Nerven. All das ist möglich. Und ich denke dafür möchte man nur ungern verantwortlich sein. Doch auch Hunde die ruckartig in ihr --> Geschirr springen oder ziehen sind vor massiven Verletzungen nicht sicher. Auch hier kann es zu schweren Verletzungen des Bewegungsapparates oder auch zu Hautverletzungen im Achselbereich kommen.

Die Verletzungen im --> Geschirr sind jedoch deutlich seltener. Das heißt, wer einen Hund hat, der häufig an der Leine zieht oder auch mal ruckartig nach vorne springt weil sich in der Umgebung etwas ganz spannendes tut, ist mit einem --> Geschirr tatsächlich besser beraten. Doch gerade bei einem Geschirr sind Material und Machart besonders wichtig. Das Material sollte strapazierfähig und gut unterpolstert sein. Außerdem sollte es nicht zu eng in den Achseln sein und stabil am Hundekörper, ohne seitliches hin und her rutschen, sitzen. Des Weiteren ist unbedingt auf eine vollumfängliche Freiheit der Vordergliedmaße und des Schulterblatts, wie auch auf eine optimale Druckverteilung am Brustbein zu achten. Es empfiehlt sich dringend hier Beratung bei einem Profi zu suchen und nicht einfach das Geschirr zu bestellen, dass beim Nachbarhund so gut aussieht. Jeder Hund ist anders gebaut und so findet sich nur durch eine individuelle und gute Beratung das passende --> Geschirr.

Nichtsdestotrotz, das Ziehen oder ruckartige Vorspringen des Hundes an der Leine sollte so oder so vermieden werden.

Nichtsdestotrotz, das Ziehen oder ruckartige Vorspringen des Hundes an der Leine sollte so oder so vermieden werden.

Es empfiehlt sich eine gute Hundeschule aufzusuchen die mit dem Mensch-Hund-Team geduldig und liebevoll ein Konzept erarbeitet um das Leineziehen aus dem Alltag zu verbannen. So macht das Gassi gehen gleich noch viel mehr Spaß! An dieser Stelle bleibt vielleicht noch zu erwähnen, dass Hunde die im Zughundesport trainiert werden, hier eine »Sonderstellung« haben. Das gleichmäßige Anziehen im Zug ist mit den unerwünschten Verhaltensweisen eines Nicht-Sportlers nicht zu vergleichen. Professionell durchgeführter Sport mit perfekt sitzenden Geschirren ist eine tolle Sache!

Ein Hund mit einer guten Leinenführigkeit kann also ohne Probleme an einem Halsband geführt werden. Geschlossene Halsungen wie auch Zugstopphalsungen, solange sie ohne Würgefunktion eingestellt sind, sind gleichermaßen unbedenklich. Dass Stachelhalsbänder wie auch Würgehalsbänder in jeder Dicke (oder Dünne) absolut indiskutabel sind, versteht sich von selbst, dies gilt übrigens auch für das Rucken an der Leine und die diese Halsbänder oder Erziehungstechniken befürwortenden Trainingsmethoden. 

Geschirr für mehr Sicherheit

Für Hunde die eher etwas unsicher sind und schon auch mal Fluchttendenzen zeigen ist das --> Geschirr, vor allem im Straßenverkehr, die richtige Wahl. Hier sollte auch darauf geachtet werden, dass die Hunde nicht aus dem Geschirr raus schlüpfen können. Auch wenn man denkt das ginge nicht, es geht tatsächlich. Generell sollte in Situationen die eine höhere Sicherheit von Nöten machen, wie beispielsweise bei einer Wanderung auf schmalen Pfaden in den Bergen, zu einem Geschirr gegriffen werden. Sollte der Hund an einer Schleppleine geführt werden, so ist unbedingt darauf zu achten, dass diese aus einem weichen stabilen Material besteht. Im wahrsten Sinne des Wortes »einschneidende« Verletzungen bei Hunden und Menschen gab es bislang zu genüge. Außerdem sollte eine Schleppleine niemals an einem Halsband, sondern ausschließlich an einem Geschirr befestigt werden. Die Belastung für den Hals, wenn er eine nasse und dreckige Schleppleine hinter sich her ziehen muss, ist enorm und kann ebenfalls zu massiven Verletzungen führen. Was beim Hängenbleiben des Hundes mit der Schleppleine am Halsband aus höherer Geschwindigkeit noch so passieren kann, muss wohl nicht erwähnt werden.

Um das Verletzungsrisiko von Hunden deutlich zu reduzieren gilt folgendes. Egal ob Halsband oder Geschirr. Miteinander spielende und rennende Hunde sollten grundsätzlich »nackt« miteinander spielen. Halsband, --> Geschirr und Schleppleinen sollten abgenommen werden. Die Hunde können sich an ihrem Gegenüber schwerwiegende Krallen- wie auch Pfotenverletzungen zuziehen. Auch hat sich der ein oder andere Hund schon einen Eckzahn an einem Ring ausgerissen, der eigentlich der Befestigung der Leine dient, hierbei ist es auch schon zu äußerst schmerzhaften Brüchen des Kiefers gekommen. Mal unabhängig davon ob man das befürworten sollte, auch bei Hunden die gerne unkontrolliert durch Unterholz und Gestrüpp rennen, sollte auf Halsband und Geschirr, zur Vermeidung von Verletzungen, verzichtet werden. Aber vielleicht kann auch hier ein Trainer Abhilfe schaffen ;-) Ohne Halsband und Geschirr können unsere geliebten Vierbeiner unbeschwert ganz viel Spaß miteinander haben!

Grundsätzlich sollte jeder Hund an ein Halsband
und ein Geschirr gewöhnt sein.

Zu guter Letzt noch ein kleiner Tipp. Grundsätzlich sollte jeder Hund an ein Halsband und ein --> Geschirr gewöhnt sein. Verletzungen am Hals können das vorübergehende Tragen eines Geschirrs nötig machen. Genauso kann bei Verletzungen beispielsweise im Bereich des Schultergürtels das vorübergehende Tragen eines Halsbands nötig sein.

So, während Sie sich jetzt überlegen können wie sie Ihren Hund zukünftig führen wollen, fahre ich mit meiner »Halsband/Geschirr-Forschung« fort. In letzter Zeit habe ich bei unseren Spaziergängen eine neue Spezies entdeckt. Die »Alles-Könner-Woller-Wisser«  könnte man sie vielleicht etwas boshaft nennen. Menschen deren Hunde geschmückt wie ein Weihnachtsbaum völlig unkontrolliert über die Wiese und durch das Gestrüpp sausen. Da findet man alles an diesen Hunden. Ein Geschirr, dazu ein Halsband, dazu noch eine Bernsteinkette und ein Halstuch. Und dann noch eine Schleppleine und ein Kurzführer am Geschirr befestigt. Am Halsband dann noch eine Marke, eine Adresskapsel und ein Metallknöchelchen auf dem der Name des Lieblings steht. Am Geschirr hängt dann noch der nigelnagelneue Personalausweis des Hundes sowie eine kleine Schutzengel-Figur.

Na da wollen wir mal hoffen, dass der Schutzengel weiß wie sein Job geht wenn’s dann drauf ankommt ;-).

Ihre Miriam Ennouri von Nomi

 

Tierarztpraxis Miriam Ennouri
Tätigkeitsschwerpunkt Physikalische Therapie
und Rehabilitationsmedizin
Grubmühl 16
82131 Gauting
Deutschland

www.nomi-physio.de