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Hitzefalle Auto

Rechtsanwalt Andreas Ackenheil

Hitzefalle Auto

Rechtliche Konsequenzen & Hinweise zur Rettung des Hundes

Jeden Sommer hofft man, die Nachrichten nicht mehr lesen oder hören zu müssen und trotzdem passiert es immer wieder: Hunde sterben in aufgeheizten Autos, da ihre Halter „nur mal kurz“ das Fahrzeug verlassen haben, ohne entsprechende Vorkehrungen zu treffen. Für viele Tierfreunde ist es unverständlich, einen Hund im Sommer im heißen Auto zu lassen.

Hitze kann für Hunde gefährlich sein

Für unsere vierbeinigen Begleiter kann die Hitze im Auto schnell zur Todesfalle werden. Bereits eine viertel Stunde in einem geschlossenen Wagen unter praller Sonne kann für einen Hund lebensgefährlich sein. Betrachtet man die Innentemperaturentwicklung in einem Fahrzeug wird schnell klar, dass bereits bei 20 Grad Außentemperatur im Innern des Fahrzeuges nach 10 Minuten schon 27 Grad herrschen können. Man mag sich nun denken, dass 20 Grad Außentemperatur an einem Sommertag grundsätzlich angenehm sind, für einen Hund im Auto können aber bereits hier schnell kritische Temperaturwerte entstehen. Dies gerade für ältere oder kranke Hunde. Es reicht in der Regel nicht aus, die Fenster einen kleinen Spalt geöffnet zu lassen oder das Schiebedach in Kippstellung zu bringen. Die Hitze im Auto steigt rasant an, was Studien belegen. Auch ein Schattenparkplatz hilft hier nicht wesentlich, da sich auch bei nicht direkter Sonneneinstrahlung die Innentemperatur im Fahrzeug schnell nach oben entwickelt. Zudem kann durch die Sonnenwanderung ein im Schatten abgestelltes Fahrzeug schnell wieder in der Sonne stehen.
Hunde haben im Normalfall eine Körpertemperatur von 38,6 Grad. Im Gegensatz zum Menschen können Hunde nicht am Körper schwitzen, da sie nur unter den Pfotenballen wenige Schweißdrüsen besitzen. Sie können sich überwiegend nur durch Hecheln abkühlen. Je höher daher die Innentemperatur im Fahrzeug desto schwieriger können sie ihre Körpertemperatur selbst regulieren. Die Körper heizen sich mehr und mehr auf. Ab 40 Grad Körpertemperatur treten Kreislaufbeschwerden auf. Lebenswichtige Organe werden weniger mit Blut versorgt, was zum Schock und zum Kollaps führen kann. Ab 41 Grad Körpertemperatur können Hunde sogar sterben. Bei einer Außentemperatur von 30 Grad im Schatten wird es im Inneren von Autos schnell bis zu 75 Grad heiß, auf dem Armaturenbrett sogar bis zu 100 Grad. Verbleibt ein Hund für gewisse Zeit in einem solchen Fahrzeug besteht für ihn Lebensgefahr. Die Gefahr besteht zudem vermehrt für die kurzköpfigen Hunderassen mit verkürzten Atemwegen.

Rechtliche Konsequenzen

Das deutsche Tierschutzgesetz schreibt in § 1 vor, dass aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen ist. Niemand darf daher einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen. Nach § 8 der Tierschutzhundeverordnung hat die Betreuungsperson eines Hundes u.a. „für ausreichende Frischluft und angemessene Lufttemperaturen zu sorgen, wenn ein Hund ohne Aufsicht in einem Fahrzeug verbleibt“. Wer hiergegen verstößt muss sich grundsätzlich vor dem Strafrichter rechtfertigen und droht je nach Einzelfall ein Bußgeld bis zu 25.000,00 € oder eine Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren. Wenn aufgrund der Nachlässigkeit des Halters beispielsweise ein Hund im aufgeheizten Fahrzeug stirbt kann der Halter nach §§ 17, 20 Tierschutzgesetz zudem ein lebenslanges Tierhalteverbot bekommen.

Wer trägt die Kosten?

Wird die Polizei gerufen und befreit einen Hund aus einer solchen kritischen Situation dann muss der Halter auch die entsprechenden Kosten tragen. Dies entschied das Oberverwaltungsgericht OVG Rheinland-Pfalz im Jahr 2005 (AZ 12 A 10619/05.OVG). An einem sehr heißen Augusttag ließ eine Frau ihren Hund in einem geparkten Fahrzeug zurück, um Spazieren zu gehen. Sie ließ die Fenster und das Schiebedach geschlossen. Ein besorgter Passant rief die Polizei, die beim Eintreffen den Hund mit weit heraushängender Zunge und in schnellem Rhythmus nach Luft hechelnd vorfand. Die Polizeibeamten, die die Halterin nicht ausfindig machen konnten, schlugen schnell die Seitenscheibe des Fahrzeugs ein und befreiten das Tier. Die Kosten in Höhe von 83,00 € für Personal- und Fahrtkosten wollte die Hundehalterin jedoch nicht zahlen. Das Verwaltungsgericht gab ihr in erster Instanz Recht, da die geltend gemachten Kosten durch die Steuern der Allgemeinheit finanziert würden. Das nicht und wies die Klage im Berufungsverfahren ab. Das OVG Rheinland-Pfalz sah das anders und verpflichtete die Hundehalterin zur Zahlung. Das Gericht meinte, es gebe keine Rechtfertigung dafür, dass die Allgemeinheit die entsprechenden Kosten tragen müsse. Die Polizeibeamten hatten bei der Hitze (Außentemperatur 31 Grad) zu Recht gehandelt, da der Hund in Lebensgefahr schwebte und die Halterin nicht erreichbar war.

Nicht wegsehen – Handeln!

Sehen Sie an einem warmen Tag einen Hund im Auto, der sich in entsprechender Gefahr der Überhitzung befindet, ignorieren Sie die Situation bitte nicht. Suchen Sie den Besitzer des Fahrzeuges in der Nähe. Steht das Fahrzeug in einem Wohngebiet klingeln Sie bitte an den Haustüren, um den Besitzer ausfindig zu machen. Steht das Fahrzeug auf dem Parkplatz eines Einkaufsmarktes lassen Sie den Besitzer bitte über Lautsprecher ausrufen. Sollte der Besitzer in kurzer Zeit nicht zu finden sein informieren Sie bitte die Polizei oder die Feuerwehr. Diese werden schnell alles Notwendige in die Wege leiten.

Droht jedoch bereits Lebensgefahr für den Hund, handeln Sie. Wenn Sie die Scheibe des Fahrzeuges einschlagen, begehen Sie zwar eine Sachbeschädigung, Sie retten dadurch aber das Leben des Tieres. Eine Scheibe kann schnell ersetzt werden, das Leben des Tieres ist jedoch unbezahlbar. Der Besitzer des Fahrzeuges sollte Ihnen hier eher dankbar sein als sie „verurteilen“. Ist er es nicht und zeigt Sie an, dann helfen oftmals die Haftpflicht- und Rechtsschutzversicherungen leider nicht weiter, da „vorsätzliche Taten“ von der Versicherung grundsätzlich nicht gedeckt sind. Hier sollten die Versicherungen umdenken und ihr Angebot „nachbessern“, da Personen, die in unserer heutigen Zeit Zivilcourage besitzen, hierfür nicht auch noch mit Kosten „bestraft“ werden sollten.

Wenn Sie den Hund aus dem Fahrzeug befreit haben, bringen Sie ihn schnell in den Schatten und benetzen Sie ihn mit Wasser, um ihn vorsichtig abzukühlen. Das Wasser sollte hierbei jedoch nicht zu kalt sein. Verwenden Sie nach Möglichkeit auch feuchte Tücher. Schauen Sie, ob der Hund selbständig etwas trinken kann, andernfalls befeuchten Sie die Zunge mit etwas Wasser. Danach sollte der Hund schnellstmöglich zu einem Tierarzt oder in einen Tierklinik gebracht werden, die dann die weitere Versorgung übernehmen. Verschwenden Sie bitte keine kostbare Zeit, da es sich bei einem Hitzekollaps um einen Notfall handelt.

Bitte achten Sie vermehrt auf Ihre Hunde in der Sommerzeit.Bitte TEILEN, TEILEN, TEILEN!!!

Bitte achten Sie vermehrt auf Ihre Hunde in der Sommerzeit.
Bitte TEILEN, TEILEN, TEILEN!!!

 

    Andreas Ackenheil ist seit über 10 Jahren auf die Themengebiete des Tierrechts spezialisiert und berät bundesweit. (Hunderecht, Pferderecht, Recht rund um das Tier). Er ist Tierrechtsexperte des deutschen AnwaltVereins und betreibt einen eigenen Blog, der unter www.der-tieranwalt.de aufzurufen ist.

    

www.tierrecht-anwalt.de

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