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Das machen die unter sich aus!

Julia Höhn

Das machen die unter sich aus!

Der Hund als obligat sozial lebendes Wesen liebt und braucht als Lebensgrundlage ausreichend Kontakt zu Artgenossen und seinen Menschen. Für ein reibungsloses Zusammenleben in seiner Gruppe sind unter Anderem Regeln im Ablauf mit Ungewissem ein wesentlicher und unerlässlicher Baustein.

Sie geben Sicherheit und Struktur in einem Familienverband, der mit Außenreizen jeder Art umgehen soll. Was geschieht jetzt aber wenn wir draußen unterwegs sind und auf fremde Hunde treffen. Hunde außerhalb unserer Familie. Freilaufende Hunde, unerzogene Hunde, wilde Hunde, verspielte Hunde, böse Hunde, jagende Hunde, Hunde eben ohne feste »Regeln im Umgang mit Ungewissem« in ihrer Familie. Wenn ich mit meinen Hunden unterwegs bin und ich mir hier und da die eine oder andere Hundebegegnung einfach sparen möchte, weil ich das Gegenüber unsympathisch finde oder gerade selber einen Hund habe, der sich nicht gut mit Artgenossen verträgt, prägt ein Satz In der Regel meine Vermeidungsversuche:

»Lassen Sie doch die Hunde in Ruhe,
die können das doch unter sich ausmachen!«

Nach geraumer Zeit als Hundetrainerin und mit kontinuierlich konsequenter Wiederholung dieses Satzes während immer wieder fremde Hunde meine Gruppe sprengen und unterwegs Unruhe stiften, drängte sich mir die Frage auf: „Was genau meinen die Leute mit diesem Satz“. Was genau sollen denn die Hunde unter sich ausmachen? Warum schickt der Mensch als Familienoberhaupt überhaupt seinen Hund zu irgendeinem Fremden anderen Hund um Irgendetwas auszumachen?
Ein Ausflug zu unseren Hunden, welche niemals irgendein Mitglied der Familie in eine schwierige Situation (hiermit ist eine, nicht für den Hund einschätzbare Situation gemeint) schicken würden um irgendetwas auszumachen, bis der Rest dann nachkommen darf, gibt einen unmissverständlichen Einblick. Schwierige Situationen werden vom Familienoberhaupt, in der Regel erst beobachtet und dann wird der Plan geschmiedet wie verfahren wird um im Anschluss die Situation GEMEINSAM zu meistern. Es kommt durchaus vor, dass ein Kundschafter vorausläuft und einen Eindringling/entgegenkommenden Hund meldet, die Klärung dieser Aufgabe wird jedoch dem anführenden Familienoberhaupt überlassen. Wird die Situation als ungefährlich eingestuft, passieren die Hunde einander nach einer FREUNDLICHEN Begegnung. Andernfalls wird die Situation gemieden zum Schutz der Familie.

Ich versuche mal auf meine Weise der Sache auf den Grund zu gehen und möchte mir mit Ihnen folgende Szene vorstellen:

Sie sitzen gerade gemütlich mit Ihrer Familie in einem Restaurant am Mittagstisch, ein völlig Fremder Mann setzt sich einfach ungebeten dazu, nascht von Ihrem Teller, genießt einen Schluck Wein aus Ihrem Glas, drückt Ihnen in fröhlicher Plauderei seine Lebensgeschichte auf. Hilfesuchend sucht ihr Blick den Betreiber des Restaurants, der dem lästigen Treiben, als Verantwortlicher, Einhalt gebieten soll. Der Neuzugang fühlt sich pudelwohl an Ihrem Tisch und denkt nicht daran Ihrer Bitte zu gehen nachzukommen, Ihre Familie fühlt sich sichtlich unwohler. Lieber bestellt er ein weiteres Gericht, flirtet mit den Frauen am Tisch und schneidet die Männer ohne mit der Wimper zu zucken. Zu guter Letzt holt er noch seine Freunde dazu und der eine oder andere neugierige Passant denkt sich „Oh da gibt’s was umsonst, ich bin dabei“. Schwuppdiwupp befinden wir uns in einer lustigen geselligen Runde. Ich würde nachvollziehen können wenn Ihnen jetzt der Kragen platzt. Nach verständlicher Beschwerde Ihrerseits beim Restaurantleiter, erhalten sie die freundliche Antwort des VERANTWORTLICHEN. »Regeln Sie das bitte unter sich, der arme Mann und seine Freunde wollen sich sich doch nur unterhalten, haben Sie doch Verständnis, es sieht doch gemütlich und nett an ihrem Tisch aus.« 

Wie Sie das nun schlussendlich für sich regeln, um was es ihnen dabei geht und wer oder was nun Schuld an der Situation ist oder war, das interessiert hier nicht mehr. Ihr gemütlicher Nachmittag ist GESTÖRT und hinüber. Was sagt uns jetzt dieser kleine Ausflug ins Restaurant? Nun stellen sie sich den ungebetenen geselligen Mann als den allseits beliebten freilaufenden Hund vor, der sich unkontrolliert auf sie zubewegt, von seinem Besitzer, wie sollte es anders sein, keine Spur. Sie in Ihrer Rolle als Familienoberhaupt wollen den lästigen Hund loswerden, da sich in Ihrer Gruppe oder bei Ihrem Hund schon eine gewisse Spannung/Unsicherheit/Aggression/ Unruhe etc. erkennen lässt, dieser sie gerne aus dem Weg gehen möchten. Leider noch keine Hilfe in Sicht, Ihr ängstliches Windspiel sucht inzwischen das Weite, Ihr Labrador sagt »OK lassen wir es drauf ankommen und nimmt Haltung dem Neuzugang gegenüber an, um mit Ihnen in den Kampf zu ziehen«, während Ihr Terrier einen Alleingang durch die Maulwurfshügel vorzieht weil Sie gerade kein Auge auf ihn haben können.

Am Horizont die Rettung, könnte das der Besitzer des Hundes sein?
Beim Folgedialog gibt es viele oft gehörte Sätze: „Der tut nichts, der will doch nur spielen“, „wenn Sie so unlocker sind, warum haben Sie dann einen Hund“, „wenn Sie nicht in der Lage sind Ihre Gruppe zu kontrollieren, sollten sie besser nur einen Hund führen“ bis hin zu unserem Lieblingssatz: »Lassen Sie doch die Hunde in Ruhe, die können das doch unter sich ausmachen!«

UNSINN

Ich möchte hiermit nicht sagen, dass sich fremde Menschen nicht friedlich und freundlich begegnen können oder fremde Hunde, die sich treffen, immer Streitereien im Sinn haben.
Der Satz das sollen die unter sich ausmache ist nur einfach eines: In einer Hundebegegnung die offensichtlich von Hund und Halter nicht gewünscht ist, UNSINN und das egal aus welchem Grund. Es gibt nichts was ausgemacht werden muss. Ich als verantwortungsvoller Hundeführer »MACHE AUS« und schicke sicher nicht meine Hunde ins Rennen um „was auch immer“ auszumachen.
Es liegt in unserer Verantwortung dass sich unsere Hunde im Zusammentreffen mit anderen Hunden anständig und unter unserer Kontrolle bewegen um Konflikte zu vermeiden und die Familie zu schützen. Kommen wir dieser Verantwortung nicht nach bedeutet das im Umkehrschluss dass unsere  Hunde in Zukunft glauben werden, dass sie alle Situationen, jeder Art klären müssen. Sie wurden ja schließlich zum Oberhaupt der Familie auserkoren, das für schwierige Situationen ein Management betreiben muss. Das werden Hunde auf Hundeart tun und folglich wird das dann keinen Spaß mehr  machen, weder an der Leine und auch ohne nicht.

Eure Julia Höhn

Eure Julia Höhn