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..sind PFERDEÄPFEL giftig für HUNDE???

TA SEbastian Gossmann-Jonigkeit

..sind PFERDEÄPFEL giftig für HUNDE???

Es gibt auch in der Tiermedizin so einige Geschichten und Legenden! Der Pferdeapfel, an dem sich Hunde vergiften können ist Eine davon. Und tatsächlich ist sie wahr!!!

Man muss aber von vornherein klarstellen, dass es sehr selten ist und passiert nur in einer ganz bestimmten »Konstellation«, bei der zwei Voraussetzungen gegeben sein müssen:

1. muss der betroffene Hund einen MD1-Defekt aufweisen
2. muss das Pferd mit dem Wirkstoff IVERMECTIN entwurmt worden sein

zu 1) bei Hunden mit MDR1-Defekt ist die Funktion der Blut-Hirn-Schranke gestört. Man kann es sich so vorstellen, dass die im Blut zirkulierende Stoffe (dazu zählen auch Medikamente) normalerweise nicht vom Blut ins Hirn gelangen können, weil dort eine spezielle Barriere dies verhindert. Beim MDR1-Defekt ist diese Schranke allerdings durchlässig, sodass vielen Stoffen der Übertritt ins Hirn gelingt. Daher wirkt das Medikament dann genauso gegen den betroffenen Hund wie gegen den Parasiten und äußert sich u.a. mit Lähmungserscheinungen. Bei Collies (Lang- und Kurzhaar), Australian Shepherds, Longhaired Whippets, Bobtail, Border-Collies und deren Kreuzungen kommt dieser Defekt am häufigsten vor.

zu 2) der Wirkstoff IVERMECTIN ist ein hochpotenter Wirkstoff, der gegen eine Vielzahl an Endo- und Ektoparasiten eingesetzt werden kann. Bei intakter Blut-Hirn-Schranke ist er bedenkenlos anwendbar. Beim Pferd wird er hauptsächlich im November bis Dezember gegen die Dasselfliegenlarven eingesetzt. Die Entwurmung wird hierbei in der Regel per oraler Paste eingegeben - dadurch können in den Pferdeäpfeln noch u.U. ausreichend hohe Dosen Ivermectin enthalten sein, die bei Aufnahme durch Hunde mit MDR1-Defekt zu deutlichen Symptomen bzw. zum Tode führen können.

Die unerwartete Wirkung des Stoffs wurde übrigens in den 90er-Jahren zufällig entdeckt nachdem die Krankenstationen der Tierkliniken mit genau diesen Rassen bei gleicher Symptomatik förmlich überquollen. Damals wurden Präparate mit diesem Stoff zur routinemäßigen Entwurmung von Hunden eingesetzt. Allerdings war der MDR1-Defekt zur damaligen Zeit noch unbekannt...

Wer seinen Hütehund also testen lassen möchte kann dies über eine Blutprobe machen, die bundesweit an die Justus-Liebig-Universität Gießen geschickt wird. Dort forscht die (weltweit) führende MDR1-Defekt-Arbeitsgruppe um Professor Dr. Geyer. Auch wenn man am Ergebnis nichts ändern kann, weiß man zumindest »woran man ist«- zum einen weiß man ob man beim Stallbesuch den Hund besser ständig anleint und zum anderen ob der Hund auch auf andere Wirkstoffe fatal reagiert. Denn es gibt noch eine Reihe anderer »problematischer Wirkstoffe« bei diesem Defekt (z.B. einige Antibiotika, Chemotherpeutika oder Magen-Darm-Pharmaka)

Euer Sebastian Gossmann-Jonigkeit