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Wunde Pfoten - Ballenverletzungen beim Hund

Hanna Stephan, TÄ bei Terra Canis

Wunde Pfoten - Ballenverletzungen beim Hund

Eine Glasscherbe, eine schnelle Tür oder ein falscher Tritt – und schon steht der Vierbeiner nur noch auf drei Pfoten da.

Verletzungen am Ballen oder an den Krallen sind nicht nur schnell passiert, sondern sehen auch häufig dramatisch aus. Da das dortige Gewebe gut durchblutet ist, kommt es bei Pfoten-Verletzungen schnell zu größeren Blutungen, was Herrchen einen ganz schönen Schrecken einjagen kann! Doch was schlimm aussieht, ist häufig schneller gebannt, als gedacht. Die nützlichsten Tipps und Infos rund um die Hundepfote haben wir für alle dognet User einmal zusammengetragen, damit Herrchen im Pfoten-Fall weiß, was zu tun ist!

Die Anatomie

Die Pfote und ihre Ballen beim Hund entsprechen unseren Fingern und Fingerballen. Als klassischer Zehengänger läuft der Hund auf diesen und stützt sein ganzes Gewicht auf die weich gepolsterten Ballen. Durch deren Anordnung wird das Gewicht ideal verteilt und jeder Schritt gut abgefedert. Die kräftige Ballenhornhaut schützt dabei die Auftrittsfläche an der Pfote vor mechanischer Belastung und äußeren Einflüssen, so dass der Vierbeiner keine schicken Turnschuhe braucht, um sicher über Stock und Stein zu gelangen. Neben zahlreichen Blutgefäßen befinden sich in den Ballen Nervenbahnen, über die Schmerz, Druck und Wärme weitergeleitet werden. Weiterhin schützt ein dickes Fettpolster unter der Hornhaut vor Stößen und verbessert die Stoßdämpfung des Vierbeiners.

Unter den Ballen befinden sich zudem einige der wenigen Schweißdrüsen beim Hund, die aber weniger zum Schwitzen, sondern als Duftmarker dienen, um eine Fährte zu markieren.
Durch die permanente Belastung und Bewegung der Pfote können Verletzungen manchmal lange nicht heilen, da das Gewebe schwer ruhigzustellen ist. So muss ein entsprechender Verband die Pfote stützen und zudem vor dem Eindringen von Bakterien bewahren.

Pfoten richtig verbinden.
Zunächst muss die Wunde mit einer sterilen Wundauflage abgedeckt werden, damit der Verband nicht an der Verletzung kleben bleibt und so die Heilung verhindert. Anschließend muss zwischen jede Zehe ein Mullpolster gelegt werden, um die Pfote gut zu polstern. Hierbei darf die Wolfskralle nicht vergessen werden! Die Polster und die Wundauflage werden anschließend großzügig verbunden- zunächst mit einer Verbandswatte, die mit einer elastischen Binde fixiert und mit Pflasterverband verstärkt wird. Insbesondere an den Auftrittsstellen muss der Verband über Klebeband gut verstärkt werden. Die Kunst des richtigen Verbindens ist es das Ganze nicht zu locker und nicht zu fest zu binden. Die Pfote darf weder abgeschnürt werden, noch darf der Verband rutschen. Eine zu feste Bandage erkennt man an einem Stau oberhalb des Verbandes, durch den die Gliedmaße beginnt anzuschwellen. Praktisch zum Spazierengehen sind Pfotenschuhe, die den Verband vor äußeren Einflüssen schützen und zusätzlich polstern.

Mögliche Symptome bei Verletzungen

-    Humpeln
-    Aufgerissene Ballen
-    Schnittwunde (z.B. Glasscherbe)
-    Wundgeleckte Stellen ohne Fell, vor allem zwischen den Zehen
-    Ballen wund gelaufen
-    Fremdkörper eingetreten (Dorn, Stöckchen, Splitter o.ä.)
-    Ekzem
-    Entzündung mit Eiteraustritt
-    Offener Bruch
-    Zysten im Pfotenballen (Hohlräume bzw. Blasen im Ballen gefüllt mit Gewebeflüssigkeit) z.B. wegen einer Fehlbelastung, vergleichbar mit unseren Blasen durch falsche Schuhe

Symptome wie Bluten oder Lahmen sind selbstverständlich kaum zu übersehen und hier ist auch sofort klar, um welche Pfote es sich handelt. Nicht so offensichtliche Verletzungen werden jedoch häufig erst durch das Verhalten des Hundes angezeigt, der plötzlich auf seiner Pfote herumnagt oder immer wieder seine Zehen schleckt. Wichtig ist es immer die gesamte Pfote zu kontrollieren und sich auch die Pfoten, die offensichtlich erstmal nicht betroffen sind, anzusehen. Ist ein Hund durch Glasscherben gelaufen, kann mehr als nur eine Gliedmaße betroffen sein. Des Weiteren ist es wichtig auf den Hund beruhigend einzuwirken und die Verletzung sanft zu untersuchen, so dass ihm Angst, Stress und Schmerzen genommen werden. Bei sehr gestressten Tieren, die man selber nicht gut kennt ist evtl. zum Selbstschutz und Schutz des Hundes eine Maulschlinge oder ein Maulkorb während der Untersuchung anzulegen.

FREMDKÖRPER: Aua- es steckt was in der Pfote

Fremdkörper sind, wenn möglich, zu entfernen. Ausnahmen sind hier sehr große Teile, die in der Pfote stecken. In solchen Fällen kann nämlich ein Blutgefäß von größerem Ausmaß betroffen sein. Entfernt man den Fremdkörper, kann es zu sturzhaften Blutungen kommen, so dass hier besser ein Tierarzt vor Ort sein sollte, um die Wunde schnell zu vernähen. Bei zahlreichen, sehr kleinen Fremdkörpern (z.B. kleine Steinchen, Scherben) ist es ein guter Trick die Pfote mit kaltem Wasser zu spülen, da der Bereich so besonders gründlich gereinigt wird und die Prozedur mit wenig Schmerzen für den Hund verbunden ist. Anschließend muss mit gutem Licht gründlich das gesamte Umfeld der Pfote untersucht werden, ob wirklich alle Teile entfernt sind. Falls der Hund stark humpelt, man aber nur eine Schwellung findet, handelt es sich möglicherweise um einen Insektenstich. Dieser sollte vor allem gekühlt werden, bis die Schwellung zurückgeht. Salben sind hier eher ungünstig, da der Hund dadurch zum Lecken animiert werden kann, was sich eher negativ auswirkt.

Krallenverletzung

Eingerissene Krallen sind schnell passiert und sehr schmerzhaft für den Vierbeiner, so dass er entsprechend empfindlich bei der Untersuchung der Verletzung reagieren wird. Hängt das abgebrochene oder eingerissene Stück Kralle nur noch locker dran, sollten es vorsichtig entfernen werden, um ein weiteres Einreißen und dem Infektionsrisiko vorzubeugen. Anschließend muss der Bereich desinfiziert oder in Jodlösung gebadet werden. Nach dieser Erstversorgung wird  dann ein Verband angelegt, der alle 24 Stunden gewechselt werden muss. Bei Regen und Matsch kann ein Latexhandschuh oder eine Plastiktüte über den Verband zum Schutz angebracht werden. Wenn die Kralle nur unvollständig abgerissen ist, muss in jedem Fall ein Tierarzt aufgesucht werden, der den Rest der Kralle entfernt und einen Pfotenverband anlegt.

Eis und Streusalz- winterliche Pfotenherausforderungen

Eis, Schnee und Streusalz auf den Wegen- in der Winterzeit sind die Hundepfoten besonders harten Strapazen ausgesetzt.  Um schmerzhaftes Verklumpen von Eis und Schnee unter den Hundepfoten zu vermeiden, empfiehlt es sich die Ballen mit einem Pfötchenbalsam oder Vaseline einzuschmieren, bevor es an die frische Winterluft geht. Durch die zusätzliche Fettschicht bleiben die Ballen elastisch und Eisklumpen, sowie Streusalz setzen sich weniger schnell zwischen den Zehen und im umliegenden Fell fest. Bei langhaarigen Hunden ist es zusätzlich von Vorteil die langen Haare zwischen den Zehen zu stutzen, so dass sich hier weniger Angriffsfläche für die Eisklumpen besteht. Für den Gassigang sollte die Strecke so gewählt werden, dass möglichst auf Wegen ohne Streusalz gelaufen wird. Nach dem Gassigang sollten die Pfoten mit lauwarmem Wasser abgespült werden, denn so wird verhindert, dass der Hund beim Sauberschlecken seiner Füße große Mengen des ungesunden Salzes aufnimmt, was schnell zu Durchfall und Erbrechen führt. Zudem wird die Pfote auf diese Weise sanft von Schnee und Eis befreit und gleichzeitig auf mögliche Fremdkörper untersucht. Bestehen schmerzhafte Risse im Ballen hilft eine Wund- und Heilsalbe mit Kamille oder Ringelblume. Regelmäßig sollte jedoch auch die intakte, rissfreie Pfote im Winter mit fetthaltiger Pflegecreme versorgt werden, um die Haut geschmeidig zu halten. Eine geschmeidige Ballenhaut ist der beste Schutz vor harten Winterherausforderungen. Besonders empfindlichen Vierbeinern kann mit robusten Pfotenschuhen geholfen werden, so dass der Gassigang auch bei Kälte unbeschwert genossen werden kann.

Tipps zur Pfotenpflege

Eine wohltuende Fußpflege und Pediküre wird von vielen Hundebesitzern noch häufig als unnötig und Verhätschelung abgetan. Jedoch  können Sie Ihrem Liebling mit einer tollen Pflege der Pfoten ganz viel Gutes tun! Das Wichtigste dabei ist zunächst weniger die perfekte Pediküre, als vielmehr regelmäßig die Füße zu kontrollieren. Wie sehen die Ballen aus, sind Stellen oder Entzündungen zwischen den Zehen oder müssen die Krallen bald kürzer? Wichtig ist auch die Wolfskralle zu überprüfen, da diese in einem Halbkreis wächst. Wird die Kralle zu lang, kann es sein, dass sie auf der anderen Seite in die Haut wächst. Das ist schmerzhaft und muss unbedingt vermieden werden. Wer sich selber nicht traut zur Krallenzange zu greifen, muss einen Tierarzt zum „Fingernägel schneiden“ aufsuchen. Insbesondere jetzt in den Sommermonaten sollte vermehrt auch auf Getreidegrannen oder Grassamen geachtet werden, da diese, bei unzureichender Pfotenpflege, in die Haut einwachsen können.

Die Oberfläche der Ballen sollte glatt und weich sein. Wenn die Haut hier rissig und trocken ist, sollten die Pfoten mit Melkfett, Vaseline oder einer anderen fettigen Creme ohne Parfüm behandelt werden.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Vierbeiner eine schöne Woche mit tollen Sommerspaziergängen und heilen Pfoten! Ihre Hanna Stephan, TÄ bei Terra Canis und Schokoschnute

      



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